Nebenjob als Freiberufler?

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Ein Nebenjob als Freiberufler bietet vielen Menschen die Möglichkeit, neben ihrer beruflichen Haupttätigkeit, ein zweites Standbein aufzubauen und vielleicht eines Tages vollständig in die Selbstständigkeit zu wechseln. Doch die Arbeit als Teilzeit Freelancer bringt auch einige Besonderheiten mit sich, die es zu beachten gilt. Was die nebenberufliche Arbeit als Freiberufler ausmacht, wird im nachfolgenden Artikel erläutert.

Inhalt des Artikels:

  1. Tätigkeitsfelder
  2. Verdienstmöglichkeiten
  3. Zustimmung
  4. Anmeldung
  5. Versicherung
  6. Steuern
  7. Vor- & Nachteile
  8. Chancen & Risiken
  9. Weiterbildung & Auftraggeber

Ein Nebenjob als Freiberufler ist für viele Menschen eine Chance, um zusätzliche Berufserfahrung zu sammeln oder ein Nebeneinkommen zu generieren. Andere sehen in der freiberuflichen Nebentätigkeit das Potenzial, Erfahrungen zu sammeln und später sogar vollständig freiberuflich arbeiten zu können. In jedem Fall ist es sinnvoll, auf einige Dinge zu achten, um hierbei erfolgreich zu sein.

Mögliche Tätigkeitsfelder als nebenberuflicher Selbstständiger

Grundsätzlich kommen alle Tätigkeitsfelder infrage, für die Sie die entsprechenden Qualifikationen und Fähigkeiten mitbringen. Dabei muss beachtet werden, dass für eine freiberufliche Tätigkeit weniger Zeit zur Verfügung steht als für den Hauptberuf. Es lohnen sich daher vor allem solche Tätigkeiten, die von zu Hause ausführt werden können:

  • das Schreiben von Artikeln
  • das Betreiben eines eigenen Blogs
  • das Instandhalten von Webseiten
  • das Programmieren von Apps
  • das Optimieren der Sichtbarkeit von Websites (SEO, SEA)

Bei der Wahl der Tätigkeit ist zudem die Konkurrenz zu beachten. Die Branche der Texter und Blogger ist seit Jahren stark umkämpft, sodass es schwierig ist, hier Fuß zu fassen. Zudem sind die finanziellen Beiträge, für die viele freie Journalisten oder Texter schreiben, sehr gering. Dennoch kann sich ein solcher Job lohnen, wenn Sie den richtigen inhaltlichen Bereich gewählt haben und Sie sich durch Ihre Kompetenzen von anderen Wettbewerbern abgrenzen können.

Gut bezahlt sind Tätigkeiten als Texter im Bereich Banken und Finanzen, IT, Automotive, Versicherungen sowie Telekommunikation. Am wenigsten verdienen Schreiber in der Touristik, Elektronik und im Bereich Medien. Da die Technik-Branche in den vergangenen Jahren einen Aufschwung erlebt hat, sind sowohl technische Journalisten, als auch Fachkräfte in der IT sehr gefragt. Das spiegelt sich auch in den Stundensätzen wider.

Verdienstmöglichkeiten

Die steuerlichen Aspekte spielen beim Nebenjob als Selbstständiger eine große Rolle. Über die zusätzlichen Einnahmen muss das Finanzamt informiert werden. Als Faustregel gilt: Grenzen für den nebenberuflichen Verdienst gibt es nicht, es sei denn, man bezieht finanzielle Hilfe vom Staat. Das gilt beispielsweise für Empfänger von Arbeitslosengeld 1 (ALG 1), Hartz IV (ALG 2) oder ein Student, der BAföG.

steuerliche verdienstgrenzen beim nebenjob
Wer finanzielle Unterstützung vom Staat bezieht, muss gewisse Verdienstgrenzen beachten.

Bei den Verdienstmöglichkeiten ist dringend auf den Stundenlohn zu achten, damit sich der Job als Teilzeit Freelancer auch finanziell lohnt. Lesen Sie unsere Tipps, um herauszufinden, was Sie als Freiberufler pro Stunde verlangen können.

Muss der Arbeitgeber der nebenberuflichen Selbstständigkeit zustimmen?

Grundsätzlich haben Sie das Recht, nebenberuflich selbstständig zu sein. Es empfiehlt sich, den Arbeitsvertrag auf Klauseln zu Nebentätigkeiten zu prüfen und das Unternehmen über die Selbstständigkeit in Kenntnis zu setzen. Zudem kann es sinnvoll sein, sich eine schriftliche Genehmigung einzuholen, um auf der sicheren Seite zu sein. Schlussendlich sind Sie immer noch in der Firma angestellt und haben dementsprechende Pflichten.

Eine nebenberufliche Selbstständigkeit ist unproblematisch, wenn Sie folgende Regeln beachten:

  • Klare Trennung des Hauptjobs und der Selbstständigkeit
  • Keine Arbeit im direkten Wettbewerb zum Arbeitgeber
  • Keine Aufträge von einem direkten Wettbewerber des Unternehmens
  • Der Hauptjob darf nicht unter der nebenberuflichen Selbstständigkeit leiden
  • Bei Krankheit und Urlaub ruht auch die Selbstständigkeit

Wenn Sie gegen mindestens einen dieser Punkte verstoßen, kann Ihr Arbeitgeber entsprechende Handlungen in Erwägung ziehen. Zum Einen kann dieser die nebenberufliche Selbstständigkeit untersagen. Zum Anderen kann das Unternehmen sogar den Arbeitsvertrag kündigen. Deshalb ist es wichtig, fair und transparent gegenüber dem Arbeitgeber aufzutreten, um beide Tätigkeiten gut miteinander vereinbaren zu können und die Interessen und Bedürfnisse des Unternehmens mit zu berücksichtigen.

Gewerbeanmeldung für den Nebenjob Freiberufler?

Wer nebenberuflich selbstständig arbeiten möchte, ist nicht gezwungen, ein Gewerbe anzumelden, wenn die gewünschte Tätigkeit im Einkommensteuergesetz (§ 18 Abs. 1 EStG) zu finden ist. Es reicht in solchen Fällen aus, dem Finanzamt die selbstständige Tätigkeit schriftlich, in Form eines Schreibens, mitzuteilen. Zu den freiberuflichen Tätigkeiten gehören unter anderem:

  • Dolmetscher
  • Lotsen
  • Dentisten
  • Heilpraktiker
  • Ingenieure
  • Notare

Ob Sie zu den freien Berufen gehören, entscheidet letztendlich das Finanzamt. Klären Sie Ihre individuelle Situation vorab am besten mit Ihrem Steuerberater sowie dem Finanzamt. Wenn Sie Ihre Selbstständkeit beim Gewerbeamt anmelden, gibt dieses die Meldung an das Finanzamt, die IHK sowie die Berufsgenossenschaften weiter.

Kranken- und Sozialversicherung für freiberufliche Tätigkeiten

Im Normalfall sind Sozialversicherungsbeiträge über die hauptberufliche Tätigkeit als Angestellter abgedeckt. Zu den Sozialversicherungen gehören:

  • Krankenversicherung
  • Pflegeversicherung
  • Rentenversicherung
  • Arbeitslosenversicherung

Meldepflichtige Versicherungen

Im jeden Fall sollten Sie Ihre Krankenversicherung darüber informieren, dass Sie freiberuflich arbeiten. Diese prüft im Anschluss, ob Sie nebenberuflich selbstständig sind oder die Tätigkeit möglicherweise als hauptberuflich gilt. Wenn die Krankenkasse zum Ergebnis kommt, dass Ihre selbstständige Nebentätigkeit überwiegt, müssen Sie die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung selbst bezahlen. Grundsätzlich können Sie sich als Selbstständiger entweder freiwillig gesetzlich oder privat versichern. Diese Entscheidung hängt vom Alter, Geschlecht und dem Gesundheitszustand ab.

Nicht meldepflichtige Versicherungen

Die Rentenversicherung muss hingegen nicht informiert werden. Erst dann, wenn die nebenberufliche Selbstständigkeit zum Hauptberuf wird, wird es wichtig, mit dieser in Kontakt zu treten. Auch die Bundesagentur für Arbeit muss nicht benachrichtig werden. Die Arbeitslosenversicherung wird über die Haupttätigkeit abgedeckt. Beachten Sie, dass bei einer ausschließlichen Versicherung über den Hauptjob auch nur diese die Berechnungsgrundlage für eventuelle Versicherungsfälle wird. Daher lohnt es sich zu überlegen, ob private Zusatzversicherungen Sinn machen. Dazu gehören unter anderem:

  • Private Kranken- und Pflegeversicherung / Zusatzversicherung
  • Private Altersvorsorge
  • Berufsunfähigkeitsversicherung
  • Unfallversicherung

Steuern mit Nebenjob Freiberufler

Bei einer nebenberuflichen Tätigkeit als Freiberufler sollten Sie das jeweilige Finanzamt informieren und den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung ausfüllen. Auf diese Weise kann die steuerliche Erfassung erfolgen und Sie erhalten eine Steuernummer. Wenn Sie im Rahmen Ihres freiberuflichen Jobs gewerblich tätig sind, kommen zudem einige Steuerabgaben auf Sie zu:

  • Einkommensteuer
  • Umsatzsteuer (sofern Sie nicht unter die Kleinunternehmerregelung fallen)
  • Gewerbesteuer

Werden Sie hingegen als nebenberuflich selbstständig eingestuft, so fallen lediglich Einkommenssteuern an. Die Einkommenssteuern hängen stark von der Höhe der Einkünfte ab. Liegen diese unter 410 Euro im Jahr, profitieren freiberuflich Tätige von einem Freibetrag.Zudem können Sie prüfen, ob Sie von der Steuer-Pauschale bei einem Nebenerwerb profitieren. In der Regel haben Personen in freien Berufen kaum Betriebsausgaben, da meistens von dem eigenen Rechner aus gearbeitet wird. Hinzu kommt noch Fachliteratur und gegebenenfalls Software. Bei der Ansatzung der steuerlichen Pauschale können nämlich 25 Prozent der Einnahmen als Betriebsausgaben ausgegeben werden. Der maximale Betrag beträgt 600 € pro Jahr. Falls Sie bereits im Voraus abschätzen können, dass Sie diesen Betrag nie erreichen werden, sollten Sie die Pauschale nutzen.

Vor- und Nachteile als nebenberuflicher Freelancer

Eine nebenberufliche Selbstständigkeit ist mit verschiedenen Vor- und Nachteilen verbunden, die im Voraus abgewogen werden sollten:

Vorteile Nachteile
zusätzliches Einkommen eventuell negative Beeinflussung der Haupttätigkeit (z.B. durch Überlastung)
zusätzlich Erfahrung sammeln / Referenzen Zustimmung des Arbeitgebers erforderlich
Erprobung von Geschäftsideen weniger Freizeit
Basis für hauptberufliches Freelancing
eigene Entscheidungen treffen

Ein entscheidender Nachteil und häufiger Grund für den Entschluss gegen die Nebentätigkeit, ist der zusätzliche Zeitaufwand und die mit dem Mehraufwand verbundenen Überstunden, da zwei unterschiedliche Arbeiten miteinander verbunden werden müssen.

Chancen und Risiken von nebenberuflicher Selbstständigkeit

Auf der einen Seite eröffnent ein Nebenjob als Freiberufler einige Chancen und Möglichkeiten:

  • ein Hobby zum Beruf machen
  • endlich der eigene Chef sein
  • unabhängig arbeiten
  • höhere Verdienstmöglichkeiten
  • Basis für Vollerwerb schaffen
  • Erprobung einer Geschäftsidee

Diesen Chancen stehen aber auch Risiken und Herausforderungen gegenüber: Oftmals wird vergessen, den Arbeitgeber über die neue Tätigkeit zu benachrichtigen. Zwar haben Sie grundsätzlich das Recht, einen freiberuflichen Nebenjob zu besitzen. Jedoch sollten Sie das Unternehmen, für das Sie hauptberuflich tätig sind, frühzeitig darüber informieren, dass Sie sich für einen Nebenjob als Selbstständiger entschieden haben. Die freiberufliche Tätigkeit darf Ihre Leistung nicht negativ beeinflussen und Sie dürfen Ihrem Arbeitgeber auch keine Konkurrenz machen. Nehmen Sie deshalb keine Aufträge von einem direkten Wettbewerber Ihres Unternehmens an. Zudem gilt zu beachten, dass bei Krankheit oder Urlaub neben dem Hauptberuf auch die Nebentätigkeit ruhen muss.

Weiterbildungen und Auftraggeber

Auch jemand, der grundsätzlich die Kompetenzen besitzt, einen bestimmten Job auszuüben, kommt langfristig nicht um Weiterbildungen herum. Getreu dem Motto „Man lernt nie aus“ hängt der berufliche Erfolg maßgeblich davon ab, wie Sie sich persönlich sowie beruflich weiterentwickeln. Je nach Situation und Wunsch sind Sie zukünftig vielleicht in der Lage, den Nebenjob hauptberuflich auszuführen.

Um nebenberuflich erfolgreich zu sein, sollten Sie Ihre Auftraggeber von Anfang an gezielt aussuchen. Lassen Sie sich Zeit und wählen Sie Unternehmen, mit denen Sie langfristig zusammenarbeiten können und möchten. Sobald Sie Ihre Kompetenzen erfolgreich unter Beweis stellen konnten, steigt die Wahrscheinlichkeit für Folgeaufträge. Hierbei ist es wichtig, nicht in eine Scheinselbstständigkeit zu rutschen.

Fazit zum Nebenjob Freiberufler

Der Nebenjob als Freiberufler kann als Karriereleiter, Ausstieg aus der Nine-to-Five-Routine oder dazu dienen, zusätzliches Einkommen zu verdienen. Aus welchem Grund Sie sich auch dafür eintscheiden, in diesem Nebenjob tätig zu sein: Nehmen Sie die Risiken nicht auf die leichte Schulter – dann steht dem Beruf als Selbstständiger nichts im Wege.

Neuer Auftraggeber gesucht?

Über den Autor

Alexander Graf

Alexander Graf studiert den Master in Management an der Friedrich-Alexander Universität Erlangen Nürnberg. Er ist seit Oktober 2020 als Werkstudent im Team von freelancermap.de tätig.

Von Alexander Graf

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