Als Freiberufler Gründungszuschuss beantragen

09.10.2018

Wer ein eigenes Unternehmen plant, kann unter Umständen einen Gründungszuschuss für Freiberufler oder Selbstständige mit Gewerbeanmeldung beantragen. Und das lohnt sich. Was es bei dem Antrag zu beachten gilt, erfahren Sie hier.




Welche Voraussetzungen muss der Antragssteller erfüllen?

Grundvoraussetzung ist, entweder der Antragssteller ist arbeitslos und bezieht Arbeitslosengeld. Sein Restanspruch auf Arbeitslosengeld beträgt noch 5 Monate. Oder der Antragsteller ist angestellt, ist in den letzten zwei Jahren zumindest ein Jahr abhängig beschäftigt gewesen, und möchte sich aus wichtigen Gründen nun lieber selbstständig machen. Direkt nach dem letzten Arbeitstag als abhängig Beschäftigter kann der Antrag auf Gründungszuschuss bei der Arbeitsagentur gestellt werden, wenn keine Sperrzeit wegen eigener Kündigung besteht.


Wer einen Antrag stellen möchte, sollte folgendes beachten

Seit Dezember 2011 wurde die Rechtslage geändert, und seitdem besteht für den Gründungszuschuss vom Arbeitsamt kein Rechtsanspruch mehr. Stattdessen liegt es im Ermessensspielraum des Sachbearbeiters, ob Ihr Antrag genehmigt wird oder nicht. Das verfügbare Geld reicht auch nicht für alle aus, daher werden viele Anträge abgelehnt. Sie sollten Ihren Antrag deshalb gut vorbereiten und sich am besten schon vor Antragsabgabe beraten lassen, damit Sie Ihre Chancen erhöhen. Es gibt verschiedene Portale im Internet, auf denen Hilfe bei der Antragstellung angeboten wird.


Wie hoch liegt der Existenzgründerzuschuss und für wie lange wird dieser gewährt?

Der Gründungszuschuss beträgt für die ersten 6 Monate 300 Euro, welche sie zusätzlich zu Ihrem Arbeitslosengeld bekommen. Das reicht aus, um Ihre Sozialausgaben zu decken. Solange Sie den Gründerzuschuss erhalten, bleiben Ihre Krankenkassenkosten, wenn Sie in der gesetzlichen Krankenkasse sind, auch noch relativ niedrig. 


Gründungszuschuss: Verlängerung beantragen

Danach können Sie eine neunmonatige Nachförderung beantragen, wenn Ihr Unternehmen erfolgreich angelaufen ist, oder Sie sich noch in der Auftragsbeschaffungsphase befinden. Hier gibt es dann allerdings lediglich 300 Euro monatlich. Um über die Runden zu kommen, müssten Sie schon selber etwas dazu verdienen oder auf Ihre Ersparnisse zurückgreifen. Ein Vorteil besteht darin, dass der Gründungszuschuss steuerfrei ist.


Was muss der Antrag enthalten?

Um eine Bewilligung zu erzielen, muss aus Ihrem Antrag hervorgehen, dass Ihr Gründungsvorhaben gute Chancen hat, am Markt erfolgreich zu sein und Bedarf dafür besteht. Sie müssen auch belegen, dass Sie für die Tätigkeit qualifiziert sind. 

Außerdem müssen Sie eine Kalkulation vorlegen, aus der hervorgeht, dass Ihr Vorhaben finanziell lukrativ ist. Sie sollen sich innerhalb absehbarer Zeit ja selbst finanzieren können. Um dies alles nachweisen zu können, erstellen Sie einen Businessplan, in dem alle Punkte abgebildet sein müssen. 

Aber das ist noch nicht alles. Wenn Sie die den Businessplan erstellt haben, müssen Sie diesen bei einer fachkundigen Stelle einreichen. Das kann bei der IHK, HWK, einer Unternehmensberatung oder einer Bank sein. Diese prüft Ihr Vorhaben auf Tragfähigkeit und erteilt Ihnen, bei bestandener Prüfung, einen positiven Bescheid. 

Außerdem sollten Sie nachweisen, dass Sie für die Ausübung einer selbstständigen Tätigkeit die nötige Eignung aufweisen. Wenn es Ihre erste Gründung ist, wäre so ein Nachweis beispielsweise durch die Teilnahme an einem Existenzgründerseminar möglich. Kostenlose Existenzgründerseminare werden oft vom Arbeitsamt vermittelt. Wenn Sie die anderen Voraussetzungen erfüllen, kann es sein, dass der Sachbearbeiter verlangt, dass Sie noch ein Existenzgründerseminar belegen, bevor Sie mit der selbstständigen Tätigkeit beginnen. Das bietet einige Vorteile.


Vorteile eines Existenzgründerseminars

Hier wird Ihnen dann nochmal im Detail vermittelt, was Sie zu beachten haben bezüglich Rechnungen stellen, Steuern zahlen, Kosten für Material und Ausstattung kalkulieren und ähnliche Punkte. Sie erhalten auch einen Einblick in den Bereich Buchhaltung. 

Ganz wichtig: Sie bekommen die Möglichkeit, Ihre eigene Gründungsidee vor Publikum vorzustellen. Das macht Sie sicherer, für den Fall, dass Sie Ihr Projekt später bei einem Bankberater zwecks Darlehen vorstellen möchten. Aus den gesamten Erfahrungen während des Seminars überarbeiten Sie Ihren Businessplan und haben dann schon konkretere Vorstellungen, wie Ihr Unternehmen sich entwickeln soll.


Lohnt sich der Aufwand?

Wer beabsichtigt in die Selbstständigkeit zu starten sollte nicht zögern, die Vorteile des Gründungszuschusses zu nutzen. Auch wenn es keinen positiven Bescheid gibt, profitiert man doch in jedem Fall von der Erstellung eines Businessplans, bevor die selbstständige Tätigkeit aufgenommen wird. 






Bild: © Piotr Marcinski - shutterstock.com

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