Hilfe für Freelancer in der Corona-Krise

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Die Corona-Krise trifft vor allem Freiberufler, Freelancer und Selbständige hart. Durch die flächendeckenden Absagen von Veranstaltungen, die Einschränkung der Kulturangebote und landesweit empfohlene Maßnahmen wie Social Distancing oder gar Quarantänen, brechen nicht nur Kreativen und Kulturschaffenden die Einnahmen weg. Hier wird laufend informiert, wie es für Freiberufler, Freelancer und Unternehmer weitergeht.


— Aktualisiert am 15.4.2020 —

Inhalt des Artikels:

  1. Finanzielle Hilfsmaßnahmen und Möglichkeiten für Freelancer
    1. Soforthilfe von Staat und Ländern
      1. Direktzuschüsse vom Staat
      2. FAQ zu den Direktzuschüssen des Bundes
    2. Soforthilfe und Direktzuschüsse der Länder
    3. Steuermaßnahmen und Ausgabenoptimierung
    4. Kurzarbeit
    5. Corona-Kredite
    6. Grundsicherung / Hartz IV
  2. Wie sollen Freelancer vorgehen um Hilfe zu beantragen?
  3. Maßnahmen bei Verdacht auf Corona
    1. Was tun bei Verdacht und Quarantäne
    2. Was tun bei Erkrankung?
  4. Studie: Weitere Informationen zur Lage der Freelancer in der Corona-Krise

Finanzielle Hilfsmaßnahmen und Möglichkeiten für Freelancer

Soforthilfe von Staat und Ländern

Sowohl Bund als auch die Länder stellen zur wirtschaftlichen Unterstützung und Existenzsicherung von Freelancern Soforthilfen – in Form von nicht rückzahlpflichtigen Direktzuschüssen – zur Verfügung. Alle Informationen dazu sowie die Direktlinks zu den Soforthilfeanträgen der Bundesländer finden Sie in diesem Artikel.

Direktzuschüsse vom Staat

Die Bundesregierung hat ein „üppig ausgestattetes Rettungspaket für Solo-Selbstständige und Kleinstunternehmer bis zehn Beschäftigte“ verabschiedet, das den Betroffenen der Corona-Krise unter die Arme greifen soll. Die Direktzuschüsse können seit dem 30.3.2020 beantragt werden.

Das Hilfspaket beinhaltet insgesamt 50 Milliarden Euro, die „als direkte Zuschüsse an notleidende Ein-Personen-Betriebe und Kleinstunternehmen“ vergeben werden.

Die Antragsstellung findet elektronisch statt. Die Liste der Zuständigen Stellen und Links zur Antragstellung finden Sie weiter unten. Der Antragsstellung ist eine eidesstattliche Erklärung beizulegen, dass das eigene Unternehmen wegen der Coronakrise existenzgefährdet oder in Liquiditätsengpässen ist.

Da die Mittel schnell und unbürokratisch bereitgestellt werden sollen, wird erst im Nachhinein geprüft, ob die Begünstigten die Mittel wirklich nötig hatten und diese im Fall von nicht notwendigen Zuschüssen gegebenenfalls in Darlehen umgewandelt werden.

FAQ zu den Direktzuschüssen des Bundes

1. Wer kann einen Antrag stellen?
Antragsberechtigte sind Soloselbständige, Angehörige der Freien Berufe und kleine Unternehmen einschließlich Landwirte mit bis zu 10 Beschäftigten (Vollzeitäquivalente), die wirtschaftlich am Markt als Unternehmen tätig sind. Sie müssen ihre Tätigkeit von einer inländischen Betriebsstätte oder einem inländischen Sitz der Geschäftsführung aus ausführen und bei einem deutschen Finanzamt angemeldet sein.
2. Wie groß ist der Umfang der Soforthilfe?
Die Soforthilfe dient der Sicherung der wirtschaftlichen Existenz der Unternehmen und zur Überbrückung von akuten Liquiditätsengpässen in Folge der Corona-Krise. Unternehmen bzw. Selbständige aus allen Wirtschaftsbereichen mit bis zu 5 Beschäftigten können einen einmaligen Zuschuss von bis zu 9.000 Euro für drei Monate beantragen, Unternehmen mit bis zu 10 Beschäftigten einen einmaligen Zuschuss von bis zu 15.000 Euro, ebenfalls für drei Monate.
3. Wie wird der Liquiditätsengpass durch die Corona-Krise nachgewiesen werden?
Der Antragsteller muss versichern, dass er durch die Corona-Pandemie in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten ist. Antragstellende Unternehmen dürfen sich nicht bereits am 31.12.2019 in finanziellen Schwierigkeiten befunden haben.
4. Wie funktioniert die Umsetzung?
Die Länder haben die Umsetzung und Auszahlung der Hilfen übernommen. Eine Liste der Ansprechpartner finden Sie nachfolgend.
5. Wie wird der Antrag gestellt?
Das Soforthilfe-Programm verzichtet bewusst auf ein bürokratisches Antragsverfahren, um eine rasche und unbürokratische Auszahlung zu gewährleisten. Die Angaben zum Antrag müssen aber richtig sein – Falschangaben können den Tatbestand des Subventionsbetrugs erfüllen und zu entsprechenden strafrechtlichen Konsequenzen führen. Anträge können bei den zuständigen Ansprechpartnern in den Ländern in Kürze elektronisch gestellt werden.
6. Wie lange ist die Antrags- und Auszahlungsfrist?
Anträge sind bis spätestens 31.05.2020 bei der zuständigen Landesbehörde zu stellen.
7. Ist eine Kumulierung mit anderen Beihilfen möglich? Müssen die Zuschüsse versteuert werden?
Eine Kumulierung mit anderen Hilfen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie ist grundsätzlich möglich. Eine Überkompensation ist aber zurückzuzahlen. Damit der Zuschuss jetzt, wenn es wichtig ist, in vollem Umfang den Unternehmen zu Gute kommt, wird er bei den Steuervorauszahlungen für 2020 nicht berücksichtigt. Zwar ist der Zuschuss grundsätzlich steuerpflichtig, aber das wirkt sich erst dann aus, wenn die Steuererklärung für 2020 eingereicht werden muss, also frühestens im nächsten Jahr. Nur wenn im Jahr 2020 ein positiver Gewinn erwirtschaftet wurde, wird dann auf den Zuschuss der individuelle Steuersatz fällig.

Quelle: bmwi.de

Alle Informationen zum Maßnahmenpaket lesen Sie im Communiqué des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie vom 13.3.2020.

Soforthilfe und Direktzuschüsse der Länder

Auch die Länder haben Maßnahmenpakete lanciert, um Freelancer, Selbständige, Unternehmer und Freiberufler während der Corona-Krise zu unterstützen.

Damit Sie von den Maßnahmen Gebrauch machen können, müssen Sie diese individuell beim zuständigen Amt beantragen. Am besten nehmen Sie telefonisch Kontakt mit Ihrem Finanzamt auf, um die individuellen Maßnahmen zu klären.

Eine Übersicht über alle Hilfs- und Sofortmaßnahmen in den Bundesländern und den Direktlinks zu den Anträgen finden Sie hier.

Steuermaßnahmen und Ausgabenoptimierung

„Um die Liquidität bei Unternehmen zu verbessern, werden die Möglichkeiten zur Stundung von Steuerzahlungen, zur Senkung von Vorauszahlungen und im Bereich der Vollstreckung verbessert.“ Erklären die beiden Ministerien am 13.3.2020. So können z.B. Steuerstundungen leichter beantragt und genehmigt oder Steuervorauszahlungen einfacher angepasst werden. Auch werden Vollstreckungsmaßnahmen bis zum 31.12.2020 ausgesetzt.

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Herabsetzung oder Aussetzung laufender Vorauszahlungen zur Einkommensteuer bzw. Körperschaftssteuer auf AntragStundung fälliger SteuerzahlungenErlass von Säumniszuschlägen Verzicht auf Vollstreckungsmaßnahmen bis 31.12.2020Sozialbeiträge für ausgefallene Arbeitsstunden können Arbeitgeber voll vom Staat erstatten lassen (vorher nur zu 50 Prozent)

Kurzarbeit

Haben Sie Angestellte und es gibt zu wenig Arbeit für die Mitarbeitenden, kann Kurzarbeit und somit staatlicher Zuschuss beantragt werden. Bisher war das nur möglich, wenn mindestens 30% der Mitarbeiter nichts mehr zu tun hatten, ab sofort liegt diese Grenze bei 10%.

Sie arbeiten im Home Office?

Corona-Kredite

Bundeswirtschaftsminister Altmaier und Bundesfinanzminister Scholz haben ein milliardenschweres Hilfspaket angekündigt, in dessen Zentrum die Stärkung der KfW-Bank und weiteren Förderinstituten steht. Diese können so Finanzhilfe leisten, die über die Hausbanken beantragt werden können. Die Minister betonen, dass diese Maßnahmen für Unternehmen aller Größen gelte und auch Freiberufler und Selbständige mit einschließe.

Sie können bei Ihrer Bank oder Spar­kasse einen Kredit für Investitionen und Betriebsmittel beantragen, sofern Ihr Unternehmen bis zum 31.12.2019 nicht in finanziellen Schwierig­keiten waren.

Jeder Antrag wird mit Hoch­druck bearbeitet, um Ihnen so schnell wie möglich zu helfen.

Nehmen Sie dafür Kontakt mit Ihrer Hausbank auf.

Bei Krediten zu beachten

Nebst den oben genannten stehen auch weitere Förder- und Finanzierungsprogramme für Freelancer, Freiberufler und Selbständige zur Verfügung, die nicht extra für den Krisenfall geschaffen wurden.

Die oben erwähnten KfW Kredite zu vergünstigten Konditionen sollen in Zeiten der Krise die Liquidität von Unternehmen sichern und bei Engpässe entschärfen. Der Chef des Verbands der Gründer und Selbständigen Deutschland, sagt dazu jedoch auch:

„Bevor ich jetzt einen Kredit aufnehme, würde ich überlegen, was ich tun kann, um den Umsatz zu stabilisieren und Ausfälle zu reduzieren.“

Andreas Lutz, VGSD auf rbb24.de

Lutz rät dann auch, sich erst einmal einen realistischen Überblick über die aktuelle Finanzlage zu machen – etwa mittels Checkliste – und zu versuchen, die Ausgaben zu senken. Dies kann wie bereits erwähnt über steuerliche Maßnahmen via Finanzamt – aber auch durch den Dialog mit Vermietern oder den Sozialversicherern.

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie hat zudem eine Hotline besonders für kleine Unternehmen, Freiberufler und Selbständige eingerichtet, die Fragen zu den Corona-Hilfe-Angeboten haben.

Die BMWi-Hotline für Fragen zu den verschiedenen Möglichkeiten:
030/18615-1515, Mo-Fr., 9-17 Uhr.

Grundsicherung / Hartz IV

Wer als Selbständiger in der Corona-Krise zu wenige oder gar keine Aufträge mehr hat und so seinen Lebensunterhalt nicht mehr bewältigen kann, der hat die Möglichkeit, bei der Agentur für Arbeit die sogenannte „Grundsicherung„, auch bekannt als ALG II bzw. Hartz IV, zu beantragen.

Den Antrag auf Arbeitslosengeld II können Sie während der Corona-Krise jederzeit formlos telefonisch oder schriftlich bei Ihrem Jobcenter stellen.

Beantragt werden kann die Grundsicherung für Selbständige online.

Für Fragen ist die Agentur für Arbeit auch telefonisch erreichbar, allerdings ist hier Geduld gefragt, denn es kommt zu längeren Wartezeiten.

Alle Infos zur Grundsicherung für Selbständige finden Sie bei der Agentur für Arbeit.

Wie sollen Freelancer vorgehen um Hilfe zu beantragen?

Da jeder Freelancer und jede Lebenssituation einzigartig ist, gibt es hier leider kein Schema X. Generell ist es jedoch empfehlenswert, in der aktuellen Situation ruhig zu bleiben und nichts zu überstürzen. Folgende Schritte können dabei helfen:

  • Verschaffen Sie sich einen realistischen Überblick über ihre aktuelle Situation – wo stehen Sie?
  • Welche Hebel können Sie direkt betätigen, um Ihre Situation zu verbessern? Wo können Sie Ausgaben einschränken?
  • Welche Hilfsmittel benötigen Sie konkret?
  • Greifen Sie anschließend zum Hörer oder in die Tasten und nehmen Sie je Kontakt auf mit
    • Ihrem Vermieter, Ihrer Krankenversicherung etc.
    • Dem für Sie zuständigen Finanzamt.
    • Dem zuständigen Wirtschaftsministerium
    • Dem für Sie zuständigen Jobcenter
    • Ihrer Hausbank

Einen Anhaltspunkt dazu, ob Sie als Freelancer Soforthilfe in Ihrem Bundesland beantragen und wie hoch die Zuschüsse ausfallen können, kann Ihnen beispielsweise der Soforthilfe-Rechner geben.

➤ Hier finden Sie alle Informationen zur Agentur für Arbeit

➤ Die Kontaktdaten zu den Ämtern der Bundesländer finden Sie hier: Liste der Anlaufstellen für die Soforthilfe

➤ Die Hotline für Fragen zu den Hilfsmaßnahmen und wie sie beantragt werden lautet: ☎ 030-18 615 1515

Maßnahmen bei Verdacht auf Corona

Was passiert, wenn Freelancer und Freiberufler krank werden und / oder wegen dem Corona-Virus selbst nicht mehr arbeiten können? Hier gibt es zwei Möglichkeiten: Die eigene Erkrankung am Virus oder die Einstufung als Verdachtsfall, die zur Quarantäne führt.

Was tun bei Verdacht und Quarantäne

Falls lediglich ein Verdachtsfall vorliegt und Sie in Quarantäne bleiben müssen, können Sie ganz normal von zuhause aus arbeiten, sofern dies möglich ist. Anders sieht es aus, wenn Sie durch die Quarantänesituation von der Ausführung Ihrer Arbeit abgehalten werden. Dann greift nämlich das Gesetz zur Verhütung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten beim Menschen. Dieses besagt, dass Selbständigen, die Quarantänebedingt ausfallen eine Entschädigung anteilig des letzten Jahreseinkommens – ein Zwölftel pro Monat – für den Verdienstausfall bezahlt wird. Auch Betriebsausgaben können im Quarantänefall zurückerstatte werden.

Um die Entschädigung einzufordern, rät der Deutsche Anwaltsverein den Betroffenen, „sich mit einer Kopie der Quarantäne-Anordnung und einer Bescheinigung des Finanzamtes über ihren Jahresverdienst direkt an das Gesundheitsamt zu wenden und sofort auf Entschädigung zu pochen.“ (Quelle: boerse-online.de)

Weitere Informationen zum Thema Selbständigkeit und Corona finden Sie auf der Seite des VSDG.

Was tun bei Erkrankung?

Falls Sie als Freelancer an Corona erkrankt sind, dann ist dies wie in jedem normalen Krankheitsfall bei Selbständigen – können Sie nicht arbeiten, dann fällt auch der Stundensatz aus. In diesem Fall kommt es auf die individuelle Krankenversicherungssituation an – die gesetzliche Krankenversicherung zahlt ab dem 43. Krankheitstag Krankentagesgeld, eine private Versicherung mit Arbeitsunfähigkeitsversicherung bezahlt früher.

Studie: Weitere Informationen zur Lage der Freelancer in der Corona-Krise

Als führende Plattform für IT-Freelancer und Projektanbieter, hat freelancermap zwei Umfragen Antworten zur aktuellen Lage der Freelancer und den Auswirkungen der Corona-Krise gesammelt und ausgewertet.

Die Resultate der beiden Umfragen, die freelancermap zwischen 18. und 20. März (554 Teilnehmende) und zwischen 30. März und 5. April 2020 (612 Teilnehmende) mit 1166 Freelancern aus der DACH Region durchgeführt hat, sprechen eine deutliche Sprache.

Es gibt jedoch auch Licht am Horizont: Wo bei der ersten Umfrage noch 56% der Befragten angaben, dass sie aufgrund der Corona-Krise Existenzängste haben, sah es eine Woche später schon positiver aus, wo „nur“ noch 42% der Befragten unter Existenzängsten litten.

Die detaillierten Ergebnisse, Grafiken und eine ausführliche Analyse lesen Sie in unserer Studie.

Stellen Sie weitere wichtige Fragen in den Kommentaren – wir werden versuchen, diese so schnell wie möglich zu beantworten und in unseren Artikel aufzunehmen!

Über den Autor

Natascha Baumann

Natascha Baumann studierte Business Administration mit Schwerpunkt International Entrepreneurship und Digital Media an der Fachhochschule Nordwestschweiz. Sie ist seit Dezember 2019 im Team von freelancermap.de tätig.

2 Kommentare

  • Hallo,

    ich beziehe eine kleine Rente und arbeite deshalb als Freiberufler nebenbei in der IT-Branche auf Gewerbeschein.
    Auf Grund der Coronakrise werden meine Bewerbungen auf Projekt von Proviter (Vermittler) storniert, da die Kunden noch keine Termine zwecks Projektbeginn vergeben können. Da ich in finanhziellen Schwirigkeite komme (kleine Rente) ist meine Frage, ob ich eine Soforthilfe vom Bundesfinanzministerium über 9000,00 EURO beantragen kann,
    Wenn ja, wo finde ich den Antrag.

    Mit freundlichen Grüßen

    Wolfgang Ries

    • Lieber Herr Ries,
      zu Ihrem speziellen Fall gibt es aktuell keine allgemeingültigen Informationen. Am besten wenden Sie sich an das Finanzministerium Ihres Bundeslands. Sie finden den Antrag für die Soforthilfe auf https://www.freelancermap.de/blog/corona-soforthilfe/ unter „Hilfe beantragen“. Dort finden Sie auch die Kontaktdaten zu den jeweiligen zuständigen Behörden, um Ihre Möglichkeiten abzuklären.

      Alles Gute und bleiben Sie gesund!

Brandneu