Mein Werdegang zum (freiberuflichen) SAP Berater

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Thomas Wagner arbeitet seit fast 20 Jahren in der SAP Beratung, davon 7 Jahre in der Selbständigkeit. Er beschreibt seine Erfolgsgeschichte und die Vorteile des Freelancer-Daseins.

Zunächst möchte ich erst einmal erklären, was SAP ist. Es ist der Name der Software und des größten europäischen Softwarekonzerns aus Walldorf bei Heidelberg. Mit SAP kann man die meisten betriebswirtschaftlichen Prozesse von Unternehmen abdecken. SAP ist sehr komplex und wird normalerweise in mehrmonatigen Projekten mit Hilfe von SAP Beratern und Entwicklern eingeführt und an die Kundenanforderungen angepasst.

Die Schulzeit

Ich habe ein mathematisch-naturwissenschaftliches Gymnasium besucht und diese Fächer haben mich schon immer interessiert. Als SAP Berater muss ich zwar kaum überdurchschnittlich viel rechnen, aber ein ausgeprägtes logisches Verständnis ist bestimmt hilfreich. Vor allem wenn es später wie in meinem Fall in die technische Beratung oder Entwicklung geht. Während meiner Schulzeit wurden zwar so gut wie keine Programmierkurse angeboten, aber das ist heute bestimmt anders.

Dafür habe ich als Teenager einen der legendären Commodore 64 bekommen und damit habe ich nicht nur gespielt, sondern auch ein klein wenig in BASIC programmiert. In der Kollegstufe habe ich neben den Leistungskursen Mathematik und Physik auch die späteren Abiturfächer Englisch und Geschichte gehabt.

Englisch ist für SAP Berater bestimmt sehr wichtig und ich ärgere mich noch heute, dass ich in meiner zweiten Fremdsprache, Französisch, nicht besser aufgepasst habe, weil das heute meine Flexibilität im Berufs- und Privatleben bestimmt noch erhöhen würde. Je näher das Abitur kam, desto mehr habe ich mich aber für Geschichte und Politik interessiert und mich in die Hauptstadt Berlin aufgemacht um etwas in dieser Art zu studieren.

Die Zeit als Student

Ich habe mich nämlich zunächst für Sinologie, Politologie und Volkswirtschaftslehre an der Freien Universität eingeschrieben mit dem vagen Berufsziel später als Journalist zu arbeiten. Daraus ist zwar nichts geworden, aber ich schreibe immer noch gerne Artikel, wie diesen. Aus verschiedenen Gründen – so war Chinesisch zu zeitintensiv, Politologie zu theoretisch und VWL zu unpraktisch für die Berufslaufbahn – bin ich dann doch bei der BWL mit Schwerpunkten Wirtschaftsinformatik, Finanzwirtschaft und Operations Research gelandet.

Man kann sagen, dass war als analytische und logische BWL in etwa die Fortführung und Spezialisierung meiner Schulzeit. Ich habe später viele SAP Berater getroffen die so etwas oder etwas Ähnliches – meinetwegen reine Wirtschaftsinformatik oder Informatik oder Mathematik – studiert haben.

Erste Berührungspunkte mit SAP

Während meiner Studienzeit hatte ich zwei anfängliche Kontakte mit SAP. Mein Wirtschaftsinformatikprofessor hatte zwar einen anderen Forschungsschwerpunkt, hatte aber einmal einen SAP Mitarbeiter in die Vorlesung eingeladen und war so beeindruckt, dass sich dieser über das Telefonnetz in seine Systeme einwählen konnte, dass er uns davon erzählt hat. Man muss hinzufügen, dass das in den 90ern war.

Der andere Kontakt zu SAP war ein Artikel in einem Computermagazin, den ich gelesen habe und wo drinnen stand, dass SAP Beratung gut bezahlt wäre und man dort sehr gerne BWL mit IT-Kenntnissen einstellt. Beides hat schließlich dazu geführt, dass ich das Thema SAP als mögliches Berufsziel identifiziert habe und mich bemüht habe, mich in diese Richtung zu entwickeln.

Praktika im Studium

Der nächste Schritt dazu waren 3 Praktika, die ich im Hauptstudium gemacht habe. Ich würde jeden Studenten empfehlen solche zu machen und mit Bedacht auszuwählen. Mein erstes Praktikum war 1998 bei Volkswagen, wo ich in einer IT-Abteilung war, die sich auf Controllingsysteme spezialisiert hatte. Wie gesagt, einer meiner Schwerpunkte im BWL-Studium war Finanzwirtschaft. Also dort habe ich dies und das gemacht und u.a. auch Hilfstätigkeiten für einen überlasteten SAP Inhouse-Berater.

Auf jeden Fall war ich zum ersten Mal in SAP eingeloggt. Mein zweites Praktikum war in der Schweiz bei dem Pharmakonzern Hofmann-La Roche. Dort war ich in Corporate Finance und neben nicht-SAP-Tätigkeiten habe ich mich auch freiwillig gemeldet einen Guide zur Einführung des Euro in SAP zu schreiben. Dieser basierte auf einen ausgiebigen SAP Hinweis, aus dem ich alle Informationen zog und Screenshots, die ich mit Hilfe anderer Kollegen machte.

Mein drittes Praktikum war 1999 kurz vor Ende meines Studiums bei der SAP AG selber im Regional Support Center CO. Dort habe ich ein größeres Schulungsszenario mit vielen Customizing und Stammdatenpflegeanteilen geschrieben und damit war meine Laufbahn als späterer SAP Experte mehr oder weniger vorgegeben. Ich kann mich noch heute daran erinnern, wie ich zum ersten Mal im Bus vom Walldorfer Bahnhof zur SAP saß und um mich herum viele Techniker und Geschäftsleute herum waren, von denen sich viele auf Englisch unterhielten. Das war für mich als Student schon sehr spannend.

Der erste Job

Mein Übergang von der Universität zum Berufsleben 1999 hätte vielleicht von mir etwas besser organisiert und vorbereitet werden können. Aber nach unter anderem einem erfolglosen Assessment Center bei Accenture bin ich schließlich als Trainee beim belgischen Chemie- und Pharmaunternehmen Solvay in Hannover gelandet.

Meine Aufgabe war dort Assistent des Projektleiters in einem europaweiten First Customer Shipment Projekt für eine neue SAP Komponente nämlich Customer Relationship Management (CRM) zu arbeiten. Das hatte zwar wenig mit Finance und Controlling zu tun aber ich habe mich trotzdem motiviert an die Arbeit gemacht. Ich war also in der IT-Abteilung eines Endkunden und die Atmosphäre war schon eher etwas konservativ, was sich ich einer „Sie“-Kultur (normalerweise kein „Dutzen“) und einer heftigen Kritik an mir, die ich einstecken musste, weil ich nicht zur Weihnachtsfeier gegangen bin, geäußert hat.

Ansonsten bin ich viel in die Konzernzentrale nach Brüssel aber auch in andere europäische Niederlassungen gereist. Spätestens hier haben sich meine ungenügenden Französischkenntnisse bemerkbar gemacht aber mit Englisch konnte ich auch viel erreichen. Nach Go-Live in den ersten Ländern habe ich diesen Arbeitgeber nach etwa eineinhalb Jahren schließlich verlassen.

Der Einstieg als SAP Berater

Im Januar 2001 habe ich bei der SAP Tochtergesellschaft SAP SI als Junior Consultant angefangen. Ich hatte also ein neues Ziel erreicht. Dort war es sehr interessant und ich habe mehr als viereinhalb Jahre lang viele internationale Projekte gemacht – gute Englischkenntnisse sind also wirklich sehr wichtig – und habe viel gelernt. Ich war auch wieder oft in der SAP Zentrale in Walldorf.

Das war zurückblickend eine der interessantesten Zeiten meines Berufslebens, auch wenn bei vielen Kollegen ich oft gemerkt habe, dass ich nicht mehr in Berlin, sondern in der Provinz war. Im Jahr 2005 wollte ich dann mal auch einen der großen Partner der SAP kennenlernen und bin dann zu Capgemini gegangen. Dort bin ich aber nur 7 Monate geblieben, weil man mir in der Probezeit gekündigt hat, nachdem ich ein Social Skill Training kritisiert habe.

Derartige Fähigkeiten sind in der Beratung bestimmt auch wichtig, aber m.E. lernt man sie nicht, indem man die Mitarbeiter an einem Sonntag dazu zwingt im Team aus DIN A 4 Blättern einen Turm zu bauen oder sich im Winter im Freien auf- und absteigend nach dem Geburtstag auszustellen. Leider trifft man in der SAP Beratung im Allgemeinen und offensichtlich bei Capgemini im Besonderen auch viele Leute, die das anders sehen und keine abweichende Meinung dulden. Nach meiner Kündigung bei Capgemini in 2006 hat mir ein Projektleiter geraten, mich doch selbständig zu machen.

Die Zeit in der Selbständigkeit

Das habe ich dann auch gemacht. Ich habe von 2006 bis 2010 als Freelancer gearbeitet, wobei mir meine alten Kontakte zu SAP und auch Capgemini geholfen haben und ich viel für diese Unternehmen gearbeitet habe. Dadurch waren diese Jahre auch finanziell ein Gewinn. Außerdem war es sehr interessant, mein eigener Chef zu sein und mich selbständig zu organisieren.

Es war nichts ungewöhnliches freitags nachmittags im ICE mit irgendwelchen Agenturen aus London über neue Projekte zu reden. Allerdings nehmen diese Vermittler eine große Marge. Auch Xing, LinkedIN oder Freelancermap.com können eine große Hilfe bei der Suche nach Kunden sein. Als Freelancer kann man auch seinen Wohnort frei wählen und so habe ich mir zum Beispiel 2008 Apartments in Paris angesehen, von denen ich über die neue TGV-Strecke zu Projekten in Westdeutschland gereist wäre.

Sogar ein Wohnsitz zum Beispiel auf Mallorca an den Wochenenden wäre möglich. Viele SAP Berater wohnen aus steuerlichen Gründen auch in der Schweiz. All das ist sehr interessant. Zu den Nachteilen gehört, dass man immer Externer ist und keine eigenen Kollegen hat, die einem bei neuen Themen helfen. Deswegen hatte ich etwa um 2010 herum auch Probleme, mich in die neue SAP CRM-Technologie WebUI einzuarbeiten, was mir trotz Besuch zweier Schulungen nicht ganz gelang. Deswegen bin ich in dem Jahr auch wieder in die Nichtselbständigkeit zurückgekehrt.

Die Gegenwart

Ich glaube aber, dass man in Vorstellungsgesprächen schon kritisch gefragt wird, warum man diesen Schritt machen will. Leider sind anscheinend nicht alle Arbeitgeber so flexibel und open minded wie die Firma, für die ich seit mehr als 5 Jahren arbeite, die kleine Münchner Beratungsfirma Solutions Products Visions AG (SPV).

Hier bin ich relativ zufrieden und verstehe mich mit Kollegen und Vorgesetzten ganz gut. Was die Zukunft bringt, kann keiner sagen. Vielleicht werde ich irgendwann mal wieder Freelancer. Zum Beispiel wenn ich älter als 50 oder 55 bin oder so. Aber im Moment habe ich es zumindest nicht geplant. Ich habe mich auch oft gefragt, wie mein Leben verlaufen wäre, wenn ich etwas Anderes gemacht hätte.

Zum Beispiel Ingenieurwesen studiert oder als Journalist oder vielleicht sogar im Investment Banking gearbeitet hätte. Aber bis jetzt bin ich ganz zufrieden. Ich habe viele interessante Unternehmen im In- und Ausland kennengelernt und SAP Consulting vereint zwei meiner größten Interessengebiete: Die Technik und das Reisen.

Über den Autor

Thomas Wagner

Thomas is SAP Consultant for more than 16 years specializing in SAP CRM and SAP BW and nowadays also SAP S/4 HANA and Fiori. He was a freelancer from 2006 to 2010 and is currently employed at the Munich based SAP consultancy SPV Solution Products Visions AG (www.myspv.com).

Von Thomas Wagner

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