Elternzeit als Freiberufler: Elterngeld Plus vs. Basis-Elterngeld

E

Werdende Eltern stehen meist vor der Herausforderung, Familie und den Beruf in Einklang zu bringen. Um die beiden Lebensbereiche miteinander vereinen zu können, wurde das sogenannte Elterngeld eingeführt. Können Freiberufler diese Leistung auch nutzen?

Mit dem Gedanken an die Gründung einer eigenen Familie, kommen besonders bei Freiberuflern und Freelancern viele Fragen auf. Wie stemme ich die Familienplanung finanziell? Bleibt genug Zeit für den Nachwuchs? Was passiert mit der Firma und den Stammkunden? Wir klären über das Elterngeld als Unterstützung auf und stellen die Möglichkeit vor, auch mit Kind weiterzuarbeiten.

Was ist das Elterngeld und wie lange kann es bezogen werden?

Das Elterngeld beschreibt eine staatliche Entgeltersatzleistung, die ein wegfallendes Erwerbseinkommen zum Teil ausgleichen soll. Das sogenannte Basiselterngeld kann maximal 14 Monate bezogen werden – unter der Voraussetzung, dass beide Eltern sich die Elternzeit teilen. Ein Elternteil kann lediglich 12 Monate des Elterngeldes beziehen. Das Elterngeld wird entweder direkt nach der Geburt ausgezahlt, oder sobald das Mutterschaftsgeld wegfällt.

Selbstständigen Frauen steht ein solches nur dann zu, wenn sie zu Beginn der Schutzfristen, welche wiederum nur für weibliche Festangestellte gelten, in einer gesetzlichen Krankenversicherung, mit Anspruch auf Krankengeld, pflichtversichert sind. Die Bezugszeit beträgt hier maximal zwei Monate. Anschließend können Selbstständige Elterngeld beziehen – die vorher bezogene Bezugsdauer des Mutterschaftsgeldes wird lediglich von der Gesamtbezugszeit des Elterngeldes abgezogen.

Was umfasst das Elterngeld und wie wird der individuelle Betrag berechnet?

Die Höhe des Elterngeldes richtet sich an dem vergangenen Nettoeinkommen des Freiberuflers. Also das Einkommen, welches im letzten abgeschlossenen Wirtschaftsjahr vor der Geburt erzielt wurde. Wenn ein Kind beispielsweise im März 2019 zur Welt kommt, gilt der Zeitraum von Januar bis Dezember 2018. Die Elterngeldstelle akzeptiert Anträge zur Verschiebung des Bemessungszeitraums nur bei Minderung des Einkommens durch schwangerschaftsbedingte Krankheitstage oder wenn während des Bemessungszeitraums bereits Elterngeld für ein Geschwisterkind bezogen wurde.

Allgemein gilt für die Berechnung des Elterngeldes:

  • 67 % des Einkommens, wenn es zwischen 1.000€ und 1.200 € lag
  • 66 % des Einkommens, wenn es bei 1.220 € lag
  • 65 % des Einkommens, wenn es mehr als 1.240 € betrug

Minimal können Sie 300 Euro und maximal 1800 Euro pro Monat erhalten.

Basis-Elterngeld oder Elterngeld Plus?

Gerade für Freelancer ist das Teilzeit-Modell “Elterngeld Plus” interessant – dabei wird das monatliche Elterngeld halbiert, dafür aber der Bezugszeitraum verdoppelt. Das bietet den Vorteil, den Kundenstamm in Teilzeit, mit maximal 30 Stunden pro Woche, weiterhin pflegen und betreuen zu können. Das kann den Wiedereinstieg eines Freelancers in den Berufsalltag um einiges erleichtern.

Auf der Suche nach Projekten, die aus dem Home-Office bearbeitet werden können?

 Basis-ElterngeldElterngeld Plus
Bezugszeitraumbis zu 12 Monatebis zu 24 Monate
zusätzliche Dauer+2 Zusatzmonate bei Aufteilung zwischen beiden Eltern+4 Zusatzmonate, wenn beide Eltern Teilzeit arbeiten
Betrag300€ bis 1800€ pro Monat150€ bis 900€ pro Monat
Besonderheiten Teilzeitarbeit bis zu max. 30 Stunden pro Woche

Werden jedoch mehr als die maximal erlaubten 30 Stunden die Woche gearbeitet, fällt das Elterngeld weg und es fallen Nachzahlungen an. Außerdem rechnet die Elterngeldstelle den Hinzuverdienst gegen, wenn er bei mehr als 50% des Gehalts vor der Geburt liegt und kürzt entsprechend das Elterngeld. Mit dem entsprechenden Antrag kann auch vom Basis-Elterngeld zum Elterngeld Plus Modell gewechselt werden.

Was muss zusätzlich beachtet werden?

Das Elterngeld ist an diverse Bedingungen und Regelungen geknüpft, die unbedingt eingehalten werden müssen, da sonst von vornherein zu viel für die Krankenkasse gezahlt wird oder Nachzahlungen fällig werden (im schlimmsten Fall sogar für den gesamten Bezugszeitraum!).

  • Krankenkassenbeitrag:
    Die zu zahlenden Beiträge für die private Krankenversicherung müssen auf das niedrigere Einkommen angepasst werden. Im Regelfall gibt es günstigere Tarife für solche Übergangszeiten. Freiwillig gesetzlich versicherte Freelancer können unter Umständen beim Ehepartner in der Familienversicherung aufgenommen werden.

  • Zuflussprinzip:
    Für die Berechnung des monatlichen Beitrags ist nicht der Zeitpunkt der erbrachten Leistung für den Bezugszeitraum entscheidend, sondern der Zeitpunkt der eingegangen Zahlung. Das heißt, dass jeder Euro, der auf dem Konto eingeht, als Zuverdienst gilt und gegengerechnet wird. Es gibt keinen Freibetrag.

  • Progressionsvorbehalt:
    Prinzipiell ist das Elterngeld steuerfrei. Dennoch muss während der Bezugszeit eine Steuererklärung abgegeben werden – damit unterliegt es dem sogenannten Progressionsvorbehalt. Zwar erhöht das Elterngeld nicht das zu versteuernde Einkommen, dafür wird aber der Steuersatz in der Regel erhöht. Somit fällt eine Nachzahlung für das, aus der Teilzeittätigkeit, verdiente Einkommen an.

Auch hier gilt es, sich umfassend zu informieren!

Wie kann ich das Elterngeld beantragen?

Frisch gebackene Eltern können das Elterngeld frühestens ab dem Tag der Geburt, bis zum Ende des vierten Lebensmonats des Kindes beantragen, um den vollen Anspruch zu erhalten. Ratsam ist es, den Großteil der Unterlagen vor der Geburt zusammen zu tragen, sodass für den Antrag lediglich noch die standesamtliche Geburtsurkunde, das Geburtsdatum und der Name des Kindes fehlen.

antrag-auf-elterngeld-checkliste

Checkliste:

  • ausgefülltes, von beiden Elternteilen unterschriebenes Antragsformular
  • Geburtsbescheinigung des Kindes mit Verwendungszweck “Elterngeld” bzw. “für soziale Zwecke”
  • Personalausweis und Reisepass
  • Nachweise zum Erwerbseinkommen: Lohn-oder Gehaltsabrechnungen – bei Freiberuflern der Steuerbescheid für den letzten abgeschlossenen Veranlagungszeitraum
  • Arbeitszeitbestätigung bzw. Erklärung über die Arbeitszeit bei selbstständiger Tätigkeit
  • Bescheinigung der Krankenkasse über das Mutterschaftsgeld (falls vorhanden)
  • Prognose über voraussichtliches Einkommen während der Bezugsdauer (bei Elterngeld Plus notwendig)

Fazit

Auf die Frage, ob sich das Elterngeld lohnt, gibt es keine pauschale Antwort, da es von Ihrer individuellen Situation abhängt. Wer kurz nach der Gründung Nachwuchs bekommt und aus finanzieller Sicht ein schwaches Jahr hatte, der hat womöglich einen finanziellen Nachteil. Mit einem Elterngeldrechner, lassen sich die Möglichkeiten gut abwägen. Es lohnt sich, die Zeit zu investieren und jedes Modell einzeln durchzurechnen, um das Elterngeld maximal optimieren zu können.

Über den Autor

Elena Pruchniewski

Elena Pruchniewski studiert Technikjournalismus und PR an der TH in Nürnberg und ist als Werkstudentin im Bereich Online-Marketing tätig. Damit ist sie seit April 2019 ein Teil des freelancermap-Teams.

Von Elena Pruchniewski

Brandneu