Gewerbeanmeldung für Freiberufler: Wann ist sie sinnvoll?

23.08.2018

Dieser Artikel hilft Selbstständigen dabei herauszufinden, wann genau und in welcher Situation für eine gewerbliche Tätigkeit eine Gewerbeanmeldung, z. B. auch als Freiberufler, notwendig wird. Hierzu ist zunächst die Unterscheidung der Art des jeweiligen Gewerbebetriebes notwendig, um eine richtige Einstufung der Tätigkeit vornehmen zu können.

Gewerbetreibender oder Freiberufler?



Zunächst gilt es zu klären, ob eine Tätigkeit als Gewerbetreibender oder als Freiberufler aufgenommen wird. Der Unterschied hierbei ist erheblich und wirkt sich auf die Steuerschuld sowie den buchhalterischen Aufwand aus. Ein freier Beruf bzw. Freiberufler liegt vor, sobald eine der in § 18 Abs. 1 S. 1 Einkommenssteuergesetz (EStG) aufgezählten Tätigkeiten ausgeübt wird. Dabei ordnet § 18 Abs. 1 Nr. 1 EStG an, dass:

"Zu der freiberuflichen Tätigkeit [...] die selbständig ausgeübte wissenschaftliche, künstlerische, schriftstellerische, unterrichtende oder erzieherische Tätigkeit, die selbständige Berufstätigkeit der Ärzte, Zahnärzte, Tierärzte, Rechtsanwälte, Notare, Patentanwälte, Vermessungsingenieure, Ingenieure, Architekten, Handelschemiker, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, beratenden Volks- und Betriebswirte, vereidigten Buchprüfer, Steuerbevollmächtigten, Heilpraktiker, Dentisten, Krankengymnasten, Journalisten, Bildberichterstatter, Dolmetscher, Übersetzer, Lotsen und ähnliche[...] Berufe" zu zählen sind. 

Sind Sie also in einem der vorstehend aufgezählten Berufe tätig, so sind Sie als Freiberufler tätig, soweit Sie Ihre Tätigkeit nicht in einer Rechtsform wie einer GmbH ausüben. Alle übrigen, nicht unter den Tatbestandskatalog des § 18 Abs. 1 Nr. 1 EStG fallende, gewerbliche Tätigkeiten sind mithin als Gewerbetreibende einzustufen.

Ein Vorteil der Einstufung als sogenannter Freiberufler ist die daran geknüpfte Erleichterung in steuerrechtlicher Hinsicht: Sie unterliegen keiner Verpflichtung, Gewerbesteuern zu zahlen. Zum anderen müssen Sie beim örtlich zuständigen Gewerbeamt keine Gewerbeanmeldung durchführen, wie es für alle übrigen Berufe zwingend der Fall ist. Eine Pflichtmitgliedschaft bei der zuständigen Industrie- und Handelskammer entfällt im Übrigen ebenfalls.

Zu beachten ist: Eine formlose Meldung beim Finanzamt über die Aufnahme einer freiberuflichen Tätigkeit zur Zuteilung einer Steuernummer ist dennoch unerlässlich.

 

Was ist die Kleinunternehmerregelung und wie kann ich diese in Anspruch nehmen?



Die Kleinunternehmerregelung ermöglicht es Gewerbetreibenden zum Teil großen Verwaltungsaufwand einzusparen. Sobald diese Verfahrensart für das Gewerbe beantragt wurde, muss keine Mehrwertsteuer auf selbst gestellte Rechnungen ausgewiesen werden. Im Gegenzug kann dann auch keine Verrechnung der Mehrwertsteuer der an das eigene Gewerbe gerichteten Rechnungen in Ansatz gebracht werden. 

Beispiel: Sobald Unternehmen U die Kleinunternehmerregelung beantragt hat, muss es zwar keine Mehrwertsteuer in seinen eigenen Rechnungen ausweisen. Kauft U jedoch beispielsweise ein Notebook, auf das 19 % Mehrwertsteuer erhoben wird, so kann dieser Betrag nicht mehr mit der eigenen Steuerlast in Verrechnung gebracht werden. 

Die Kleinunternehmerregelung nach § 19 Abs. 1 S. 1 Umsatzsteuergesetz (UStG) kann in Anspruch genommen werden von Gewerbebetrieben, deren Einnahmen im Vorjahr nicht mehr als 17.500 EUR betrugen und im laufenden Jahr einen Betrag von 50.000 EUR voraussichtlich nicht übersteigen werden.

 

Die eigentliche Gewerbeanmeldung



Vor der Anmeldung seines Gewerbes bei der sachlich und örtlich zuständigen Behörde sollte man keine Angst haben. Hier ist es lediglich notwendig, das bei der jeweiligen Behörde oder auch online zum ausdrucken erhältliche Formular zur Anmeldung eines Gewerbes auszufüllen und einzureichen. 

Die Anmeldung ist gemäß § 14 Abs. 1 S. 1 Gewerbeordnung (GewO) zwingend rechtlich vorgeschrieben. Die Beendigung der Tätigkeit oder auch ein Umzug ist der Behörde zwingend mitzuteilen. Abschließend ist darauf hinzuweisen, dass eine Zuwiderhandlung gegen die Vorschriften der Gewerbeordnung ein Bußgeld nach sich ziehen kann.

Fazit: Eine Gewerbeanmeldung ist fast immer unumgänglich. Trotzdem sollte unbedingt geprüft werden, ob die aufzunehmende Tätigkeit ein freier Beruf ist und somit keiner Gewerbeanmeldung unterliegt.

Rechtlicher Hinweis: Dieser Text dient der allgemeinen Information und beinhaltet keinerlei Rechts- oder Steuerberatung, eine Gewähr für die Vollständigkeit und Richtigkeit wird nicht übernommen.


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